Aktuelles

           

 

Nachruf!

Am 25.01.2012 ist unser langjähriger Vorsitzender Dr. Johann Georg Hasenkamp im Alter von 93 Jahren verstorben. Er wurde am 1.Februar an seiner früheren Wirkungsstätte in Schweinsberg beerdigt.

Dr. Hasenkamp war von 1955 bis 1986 Leiter des Privatforstamtes Schweinsberg und hat in diesem Betrieb einen beispielhaft naturgemäß geführten Betrieb entwickelt.

Dr. Hasenkamp war die entscheidende Persönlichkeit bei der Gründung der ANW-Landesgruppe Hessen und war von 1978 bis 1994 nicht nur unser Vorsitzender, sondern auch unser Lehrer für die ersten Anfänge naturgemäßer Waldwirtschaft in unseren Revieren. Dr. Hasenkamp hat die Entwicklung der ANW landes- und bundesweit entscheidend durch seine Erfahrung, seine Stetigkeit und seine Unbeirrbarkeit geprägt.

 

(Eine ausführliche Würdigung findet im "Dauerwald" statt.)

 

 

 

 

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW)

Landesgruppe Hessen e. V.

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Hessen e. V.

Wilhelmsthal 5, 34379 Calden

1. Vorsitzende: Dagmar Löffler
Wilhelmsthal 5, 34379 Calden
Telefax: 05674-921350
e-mail:
Dagmar.Loeffler@forst.hessen.de
www.anw-hessen,de

Calden, den 2.Jan. 2012

Liebe ANW-Mitglieder!

Stabile Ungleichgewichte sind ein Markenzeichen für pulsierendes Leben –

in diesem Sinne ein gesundes und frohes Jahr 2012 mit vielen neuen Impulsen!

Werden diese Ungleichgewichte jedoch instabil, dann geraten Dinge tatsächlich aus dem Gleichgewicht. Global reagiert Natur infolge unseres weltverschlingenden Konsumismus und unter dem Druck der Verwüstung mit schlichtem Verschwinden. Wenn Natur im ökonomischen Prozess zu Bestand, Ressource oder Masse reduziert wird, gerät alles aus dem Gleichgewicht. Ein erster Reflex zur Um-kehr ist der des Lassens, des sich Selbst-Überlassens, also der Schutz vor Nutzung. Natürlich hat diese Art von „Rettungsschirm" gut platziert auch seine Berechtigung und Wirkung. Aber wie nun spätestens seit der Finanzkrise klar ist, reicht das nicht aus und es bleibt uns letztlich nicht erspart, in einer dem Leben angemessenen und nachhaltigen Weise zu wirtschaften. Die Entscheidung zu „Stilllegungen", wie sie bei uns von Naturschutzverbänden z.B. in Form etlicher weiterer Nationalparke gefordert werden, ist vergleichsweise leicht vollzogen.  Die Kunst und die eigentliche Herausforderung besteht aber vielmehr in intelligenten Konzepten, die auf der großen Fläche gleichermaßen natürliche Prozesse wie auch die Option der Nutzung ermöglichen. Das genau entspricht dem Ziel und Leitbild der ANW und der von Alfred Möller historisch geprägten Idee des Waldwesens und des Dauerwaldes. Die Zeichen unserer Zeit bieten eine große Chance für uns Forstleute, die Herausforderung anzunehmen und Nachhaltigkeit umfassend und auf höchstem Niveau auf der Basis unserer Grundsätze beispielhaft zu praktizieren. Das Besondere an den Grundsätzen der Naturgemäßen Waldwirtschaft ist ihr universeller Charakter:

Stetigkeit / Schirmhaltung / Einzelbaumbetrachtung / Mischung – das alles unter Loslösung zwanghafter Zeit- und Flächenbezüge bei gleichzeitigem Zu-Lassen natürlicher Dynamik und entsprechend heterogener Entwicklungen. Entscheidend ist der freiheitliche Ansatz dieses Konzeptes, das praktisch im täglichen Suchen, Beobachten und Wollen seinen Erfolg findet.

Trotz aller Zweifel, die im Zusammenhang mit dieser komplementären Sichtweise (ähnlich einer „Kielwassertheorie") bei einigen bestehen mögen, wird uns doch letztlich nichts anderes übrig bleiben, als diesen Weg mit hohem Anspruch weiter und offensiv zu beschreiten. Denn die Erwartungen in Hinblick auf Nutzungsverzichte aus Sorge um die Erhaltung der Artenvielfalt und Schutz des Ökosystems einerseits, gleichzeitig Erwartungen im Hinblick auf die Nutzung des Rohstoffes Holz aus Sorge um ausreichende Deckung unseres Bedarfes andererseits und darüber hinaus die monetären Erwartungen eines verschuldeten Landes, lassen keinen Raum für Segregationsdenken und Aufteilung in „Schutz und Schmutz"- Flächen.

Die Naturschutzleitlinie von Hessen-Forst und der dort beschriebene „Naturschutz-Kodex" sind da ein guter Beitrag. Für die MitarbeiterInnen von Hessen-Forst bietet das „Waldbau-Training" eine

gute Plattform, um die Aspekte der Naturgemäßen Waldwirtschaft wieder aktiv in den Diskurs mit einzubringen und den Wald selbst endlich wieder in den Mittelpunkt all unserer Bemühungen zu setzen.

Konstruktive Kritik ist beispielsweise angebracht bei zu hohen Nutzungsforderungen in den „Hauptnutzungen" und eher zu geringen Ansätzen in der „Pflegenutzung". Von Seiten der Landesbetriebsleitung sind wir aufgefordert, die Forsteinrichtung intensiv und konstruktiv zu begleiten und kritisch zu prüfen, bevor uns die Planungen dann an konkrete Holzliefermengen binden.

Noch etwas ist aus dem Gleichgewicht geraten – ein Faktum, an das wir uns überwiegend gewöhnt haben als unabänderliche und quasi naturgegebene Rahmenbedingung: die überhöhten Schalenwildbestände. Auch sie haben etwas mit Artenschwund zu tun. Nicht nur, dass die natürliche Regeneration des Waldes ver- oder stark behindert wird und schleichend eine saubere Entmischung stattfindet, sondern auch die krautige Vegetation ist betroffen, an die eine entsprechende Vielzahl von Insekten gebunden ist. In Zeiten des Klimawandels sollte der Wald besonders artenreich und damit "klimaplastisch" sein. Eine Verarmung des Ökosystems wegen mangelnder Möglichkeiten der Bejagung von Rot- und Rehwild ist an dieser Stelle absolut überflüssig und zeugt von einer gehörigen Schieflage im öffentlichen und politischen Bewusstsein. Nun gibt die aktuelle Neufassung des Hessischen Jagdgesetzes gerade keinen Anlass zum Jubeln, wir haben eines der konservativsten Jagdge-setze in Deutschland.

Immerhin hat die ANW das in 2010 veröffentlichte und viel beachtete Wald-Wild-Gutachten angestoßen und seither wieder eine breite Diskussion in Gang gesetzt. Das Gutachten und weitere Infos sind übrigens auf der Homepage der ANW Deutschland zu finden. Demnach bemisst sich der Verbissschaden monetär auf durchschnittlich 50,-€ pro Jahr und Hektar Waldfläche! Einen Wildbraten kann man also immer mit doppeltem Genuss essen. Der Aufwand für Waldschutz ist seit Kyrill stark gestiegen - mit begrenzter Wirkung, denn er hilft nicht, die Waldverjüngung als natürlichen Prozess auf ganzer Fläche sicherzustellen. Auf den Wiederbewaldungsflächen helfen selbst Gatter nur bedingt, deshalb erfreut sich die Methode der massenhaften Pflanzung in Einzelhaft im Hochsicherheits-trakt einer Plastikwuchstüte immer größerer Beliebtheit - weithin sichtbar als Symbol der Kapitulation vor dem Äser.

Der ANW-Bundesvorsitzende Hans von der Goltz hat sich um die aktuelle Wald-Wild-Debatte sehr verdient gemacht und in unzähligen Gesprächsrunden ein gemeinsames „Wald-Wild"- Positionspapier erarbeitet, das vom Deutschen Forstwirtschaftsrat mit seinen vielen Verbänden, u. a. der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzer, unterzeichnet wurde. Auch die AG Rohholzverbraucher, der Gesamtverband der Deutschen Versicherer, BUND, NABU, PEFC, FSC, Deutscher Jagdschutzverband, Bundesamt für Naturschutz, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stehen dem Papier positiv gegenüber.

Damit gibt es erstmalig eine klare Aussage aller Waldbesitzarten und Verbände, das Thema anzupacken und das Schalenwildproblem zu lösen. Die Länder-Agrarminister haben am 29.10.2011 die Bundesregierung aufgefordert, das Schalenwildproblem zügig und zielorientiert in Angriff zu neh-men und eine zeitnahe Lösung herbeizuführen. Dieser Forderung wurde entsprochen.

Um dem Papiertiger Zähne zu verleihen, muss der Prozess in die Fläche gebracht werden. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen in Verbindung mit praktischem Handeln sollen die Sache voranbringen. Insbesondere jene Waldbesitzer, die unzufrieden sind mit der Wildschadenssituation, sollen im Rahmen der Ausweisung von „Piloten" die Möglichkeit bekommen, ihre Situation zu verbessern.

Die ANW möchte sie dabei aktiv unterstützen.

Es liegt also wieder ein spannendes Jahr vor uns und im Kraftfeld unterschiedlicher Interessen ist es wieder mal eine Herausforderung, das Beste für den Wald im Sinne der Dauerwaldidee zu erringen.

So uns kein Sturm von dieser Kernaufgabe ablenkt, wünsche ich viel Glück und Freude dabei!

Auf ein Wiedersehen im Hessischen Wald, auf der Bundestagung in B.-W. oder in Rumänien?

Jedenfalls mit herzlichen Grüßen,

Ihre Dagmar Löffler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe ANW-Mitglieder!

Wenn man auf das Jahr 2010 zurückschaut, auf die vielen Veränderungen, Entwicklungen und Wei-chenstellungen, dann darf man auch wieder gespannt sein auf 2011 – wie im Wald eben, das pralle Leben und wir mittendrin!

In den Forstbetrieben war die Entwicklung 2010 regional wieder stark geprägt von Kalamitäten, aber insgesamt auch von einer angenehmen Brise und aufschlagenden Segeln auf dem Holzmarkt. Der Genuss allerdings, sich in der komfortablen Lage eines „Verkäufermarktes" zu befinden, kann auch schnell zum Würgegriff der Holzindustrie ausarten. Denn die holzverarbeitende Industrie und Ener-giewirtschaft braucht den „Stoff" und es hängen, dank der Clusterstudie Holz in aller Bewusstsein gehoben, viele Arbeitsplätze daran. Es sind Tendenzen erkennbar, dass Druck nicht nur in Bezug auf die Liefermengen, sondern auch auf die Wahl der Holzarten ausgeübt wird. Bei allem Übel bieten Kalamitäten immerhin die Chance des Neuanfangs. Diese Chance darf auf keinen Fall vertan werden und zu einer Renaissance alter Fehler führen. Insbesondere das Einbringen von Fichte, Douglasie und Küstentanne will deshalb in seiner Form und Platzierung wohlüberlegt sein.

Da wir kein stehendes Holzlager verwalten oder ein reines Holzlogistikunternehmen sind, besteht unsere ureigenste Aufgabe darin, den Bogen eines umfassenden Nachhaltigkeitsanspruches zu spannen, denn die Holznutzung ist eine Option neben anderen.

Dabei ist es vor allem eine wichtige betriebliche Entscheidung, eine saubere Antwort auf die Frage zu finden:

Ist der Waldbau Motor des Holzverkaufs oder ist der Holzverkauf Motor des Waldbaus?

Selbst wenn wir uns bei der Antwort auf rein ökonomische Aspekte reduzieren, müssen wir erken-nen, dass unsere Aufgabe doch primär darin besteht, unsere Produktionsmittel, die da heißen Standort und Bäume, in bestmöglicher Verfassung zu erhalten.

Denn Holz wächst an Holz und Wald wächst im Wald!

Wenn wir dieses Kapital beschädigen, dann beschädigen wir auch den Grundsatz der Nachhaltigkeit.

Und da rückt auch gleich wieder der gern zitierte Imperativ forstlicher Vernunft ins Bewusstsein: „Waldbau ist kein Selbstzweck." Das stimmt auch zweifellos. Was könnte selbstkritisch betrachtet ein Selbstzweck in der Naturgemäßen Waldwirtschaft sein? Dem Begriff nach hat sie etwas mit An-lehnung an natürliche Prozesse, mit Wald und mit Wirtschaft zu tun. Das ist doch eine gute Kombi-nation! In der Grundsatzerklärung der ANW von 1950 heißt es:

 

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW)

Landesgruppe Hessen e. V.

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Hessen e. V.

Wilhelmsthal 5, 34379 Calden

1. Vorsitzende: Dagmar Löffler
Wilhelmsthal 5, 34379 Calden
Telefax: 05674-921350
e-mail:
Dagmar.Loeffler@forst.hessen.de

Calden, den 2. Januar 2011

An die

Mitglieder der ANW Hessen

„Ziel Naturgemäßer Waldwirtschaft ist ein ungleichaltriger, gemischter, stufiger, einzel-baum-, gruppen- und horstweise zusammengesetzter Wald mit einem stehenden Holz-vorrat in gütemäßig bester Verfassung und angemessener Höhe."

Ganz gern aber wird das Vorurteil bedient, „die Naturgemäßen" produzieren schöne Waldbilder und betreiben Waldnaturschutz mit dicken Bäumen. Es stimmt zwar, dass als Folge sich entwickelnder Ungleichaltrigkeit auch schöne Waldbilder entstehen und dass die naturgemäße Tradition eine ge-wisse Toleranz gegenüber der standorttypischen Flora und Fauna übt, der Ursprung solcher Erschei-nungen ist aber in den Grundsätzen waldbaulicher Handlungsmaximen zu sehen, deren Anwendung nach längerer Frist dem Wald ein gewisses Gepräge verleiht.

Die Kunst besteht darin, diese Grundsätze wie z.B. der Stetigkeit, der Schirmhaltung, ein-zelbaumweiser Wirtschaft und der Mischung mit Hilfe erworbener Kompetenz, Erfahrung und Motivation intelligent umzusetzen und unter Einbeziehung selbstwirkender Kräfte im Wald die Wert-entwicklung des Holzvorrates zu steigern und folglich die Wertschöpfung in der Holzernte zu verbes-sern. Mit der Beachtung naturgemäßer Grundsätze treten wir automatisch ein in den sogenannten Dauerwald. Und deshalb ist Dauerwald auch mehr als dauernd Wald!

Dieser Leitsatz hat uns begleitet bei der ANW-Bundestagung, die im September2010 im Rheingau stattfand und der etwa 250 TeilnehmerInnen gefolgt sind.

Gedanken mit Flügeln brauchen auch ein Fahrwerk zum Landen. Deshalb ist es gut, die eigene Ar-beit oder ggf. einen anderen Standpunkt mit Fakten und guten Argumenten belegen zu können. Die Rheingauer Kollegen haben ein praktikables Messverfahren entwickelt, das jedem über Internet zu-gänglich ist. Wer Interesse hat, schickt eine leere Email an: tabellen@schlangenbader.net Die auto-matisch generierte Mailantwort sendet dann weitere Infos. Dieses Messverfahren eignet sich sowohl zur Reflektion wie auch zur Dokumentation der eigenen Arbeit und stellt so ein Hilfsmittel für die waldbauliche Praxis dar.

Das Zeitalter der Datenverarbeitung konfrontiert uns mit Informationsfluten nicht gekannten Aus-maßes und deshalb wächst uns oft weniger der Wald als vielmehr das Büro über den Kopf. Allein dieser Wust im Kopf führt zu real empfundener Überlastung.

Das schöne an der waldbaulichen Arbeit mit Grundsätzen ist hingegen, dass sie mit einem hohen Maß an Freiheit ausgeübt werden kann und dass sie manchem gewissermaßen die Würde und ein Arbeitsethos zurückgibt, das motiviert und neue Energie freisetzt. Dieser Arbeitsansatz, der uns mit Kopf, Herz und Hand wieder in den Wald bringt, ist wahrscheinlich auch die einzige Möglichkeit, sich den Herausforderungen einer komplexen und anspruchsvollen Waldbewirtschaftung zu nähern.

In diesem Sinne wünsche ich für das „Jahr der Wälder" 2011 alles Gute und frohes Schaffen!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Dagmar Löffler

 

 

 

„Dauerwald ist mehr als dauernd Wald"

Bericht zur Bundestagung 2010 der

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW)

Am 27. und 28.September 2010 fand in Niedernhausen sowie in den Kommunalwäldern der Gemeinde Schlangenbad und der Stadt Eltville die diesjährige Bundestagung der ANW statt. Sie stand unter dem Motto „Dauerwald ist mehr als dauernd Wald."

Der Bundesvorsitzende der ANW, Hans von der Goltz, begrüßte die etwa 250 nationalen und internationalen Teilnehmer, Bundes- und Landtagsabgeordnete und Verbandsvertreter, den Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises Burghard Albers sowie Bürgermeister Patrick Kunkel aus Eltville und Bürgermeister Michael Schlepper aus Bad Schlangenbad. Er dankte der ANW-Landesgruppe Hessen mit ihrer Vorsitzenden Dagmar Löffler, den beiden Bürgermeistern sowie Hessen Forst herzlich für die ausgezeichnete Vorbereitung dieser Tagung.

Hans von der Goltz stellte in seiner Begrüßung fest, was noch alles getan werden müsse, um großflächig Dauerwald erst möglich zu machen.

  • Die Absicht kurzfristiger Gewinnmaximierung durch unnatürliche Nadelholzreinbestände oder die kurzfristige Maximierung ökologischer Vielfalt durch Stilllegung von Wald schließen multifunktionale Dauerwaldwirtschaft aus.
  • Kahlschläge sind das Gegenteil von Stetigkeit
  • Überhöhte Wildbestände fressen die natürliche Artenvielfalt im Wald auf und machen Mischbestände unmöglich
  • Immer größere Forstreviere und spezialisierte Forstausbildung erschweren die verantwortliche Steuerung des Waldwesens immer mehr.

Eine besondere Freude war es Hans von der Goltz, sich bei Dr. Hermann Wobst (Landesgruppe Niedersachsen) und Rudolf Gerbaulet (Nordrhein-Westfalen) für ihr jahrzehntelanges Engagement für den Dauerwald mit einer ANW-Ehrennadel zu bedanken. Durch ihr praktisches Tun und ihre Mitarbeit in unterschiedlichen Gremien haben sie die ANW ganz wesentlich mitgeprägt. Langanhaltender Applaus der Versammlung bestätigte das Gesagte.

In ihren Grußworten betonten sowohl Landrat Burghard Albers als auch der Eltviller Bürgermeister Patrick Kunkel die besondere Bedeutung des Waldes für ihre Region. Das Bundesland Hessen ist durch einen hohen Kommunalwaldanteil geprägt und auch im Rheingau-Taunus-Kreis bewirtschaften zahlreiche Städte und Gemeinden eigenen Wald. Neben der wirtschaftlichen Funktion haben diese Kommunalwälder in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands eine große gesellschaftliche Bedeutung als Naherholungsgebiet. Das dabei die Naturschutzleistung der Wälder nicht ins Hintertreffen gerät ist ein Verdienst der multifunktionalen Forstwirtschaft, die alle drei Waldfunktionen auf derselben Fläche sicherstellt. Daher bekennen sich Kreis und Kommunen zu ihren Wäldern und wollen diese zukünftig – auch bei enger werdenden finanziellen Spielräumen – weiter nachhaltig bewirtschaften.

Der Chef der hessischen Landesforstverwaltung, Herr Carsten Wilke, hieß die Teilnehmer in Hessen herzlich willkommen und überbrachte die Grüße der Ministerin. In seinem Kurzvortrag „Das Forstrevier als Herz des Forstbetriebes - was bringt die Zukunft?" bekannte sich Wilke zur qualifizierten und naturgemäßen Bewirtschaftung der hessischen Wälder. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels müssen Antworten gefunden werden, wie zukunftsfähige und klimaelastische Wälder aussehen sollen und wer ihre praktische Umsetzung sicherstellt. Da dies nicht ohne qualifiziertes Personal vor Ort geht, müssen sich sowohl die privaten als auch die staatlichen Forstverwaltungen hier organisatorisch und personell entsprechend aufstellen.

Höhepunkt des ersten Tages war der Vortrag von Prof. Jean Phillip Schütz, langjähriger Waldbauprofessor an der ETH Zürich und derzeitiger Präsident von Pro Silva Europa, der europäischen Dachorganisation der naturgemäß wirtschaftenden Forstleute. Er kam in seinen theoretisch fundierten und mit praktischen Beispielen angereicherten Ausführungen mit dem Thema „Der Dauerwald – waldbauliche Träumerei oder Zukunftskonzept?" zu dem Schluss, dass Dauerwald für die zukünftigen Generationen wirtschaftlich, ökologisch und sozial das Beste sei, was der Gesellschaft passieren könne. Insbesondere diese Multifunktionalität, also das gleichberechtigte Nebeneinander von Waldwirtschaft, Naturschutz und Erholung auf ein und derselben Waldfläche ist ein Markenzeichen der Naturgemäßen Waldwirtschaft. Dass es sich dabei um ein tragfähiges Konzept handelt, zeigt eine Vielzahl erfolgreicher Beispiele aus der forstlichen Praxis. Da all dies zwischenzeitlich durch die forstliche Forschung gut untersucht wurde, ist die Naturgemäße Waldwirtschaft nach Ansicht von Professor Schütz das Modell für die Herausforderungen der Zukunft. Vollständiger Vortrag:

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) Georg Schirmbeck hielt ein flammendes Plädoyer für eine an Sachfragen orientierte, vertrauensvolle Zusammenarbeit der forstlichen Interessenvertreter. Ein erfolgreiches Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist das Gutachten zum Wald-Wild-Konflikt, an dem sich neben dem DFWR und der ANW auch das Bundesamt für Naturschutz sowie die Hatzfeldt-Wildenburgsche Verwaltung als privater Waldbesitzer beteiligt haben. Schirmbeck nannte außerdem die Erklärung zur Frage der Integration von Naturschutzaspekten in der Buchenbewirtschaftung als weiteres Beispiel dafür, wie er sich eine vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit vorstellt. Nur so können die Themen der Zukunft erfolgreich angepackt und in der forstlichen Praxis umgesetzt werden. Die ANW ist ihm dabei ein wichtiger Partner.

Hans-Ulrich Dombrowsky, Forstamtsleiter im Forstamt Rüdesheim gab interessante Einblicke in die Rheingauer Forstgeschichte. Offensichtlich hat man sich in den vergangenen Jahrhunderten erfolgreich eine gewisse Unabhängigkeit bewahren können, so dass im Rheingau eine forstlich interessante und landschaftlich attraktive Mittelgebirgsregion erhalten geblieben ist. . Anschließend gab er einen Überblick der heutigen Situation und spannte so den Bogen zum folgenden Exkursionstag. Er stellte den Teilnehmern die beiden Exkursionsgebiete und ihre Besonderheiten vor. So bildet im Stadtwald Eltville die Eiche den Schwerpunkt, im Gemeindewald Schlangenbad liegt das Augenmerk auf den Baumarten Buche und Fichte.

Zum Abschluss des ersten Tages stellte Klaus Stolpp, Revierförster im Revier Schlangenbad ein einfaches und äußerst praxisgerechtes Verfahren zur Messung und Ermittlung forstlicher Kennziffern vor, die „Gekluppte Winkelzählprobe" nach Prof. Bitterlich. Das über mehrere Jahrzehnte entwickelte System ist inzwischen deutlich vereinfacht und erweitert durch die Möglichkeit der Auswertung am PC. Diese Daten sind dann die Grundlage für langfristige Nutzungsüberlegungen, die zu einer besseren Strukturierung und dauerhaften Stabilisierung der Wälder beitragen. Das Messverfahren ist für alle Interessierte abrufbar durch eine leere Email an: tabellen@schlangenbader.net

Das gemeinsame Abendessen war dann der passende Rahmen, um das Gehörte ausgiebig und nach bester ANW-Manier auch kritisch zu diskutieren. Somit ergab sich ein intensiver fachlicher Austausch, bei dem aber auch das Persönliche zwischen den ANWlern nicht zu kurz kam.

Am zweiten Tag starteten vom Waldparkplatz Dreispitz in Schlangenbad -Bärstadt vier große Gruppen zu ganztägigen Exkursionen in die Reviere Schlangenbad und Eltville. In beiden Revieren orientiert sich die Bewirtschaftung seit mehreren Jahrzehnten an den Grundsätzen der ANW. Im Stadtwald Eltville und im Staatswald Greiferwald wurden Beispiele der naturgemäßen Bewirtschaftung der Eiche vorgestellt und von Klaus-Peter Steiner und Knut Außem erläutert. Sie führen nicht, wie bei dieser Baumart meist üblich, zu Kahlschlägen, sondern bieten mit einem sehr langen Zeitraum der Pflege und Nutzung alter Bäume die Chance einer kleinflächigen langfristigen Verjüngung. Mit diesem Vorgehen konnte der Eichenanteil in den Mischbeständen erhalten und gefördert werden. Durch die Entnahme einzelner hiebsreifer Bäume ist es möglich schwächeren Nachbarbäumen eine Chance auf Entfaltung zu geben, was durch das sichtbare Reaktionsvermögen der Eichenkronen bestätigt wird. Auch die wirtschaftlichen Ergebnisse dieses Vorgehens, mit dem es möglich ist auf den Markt zu reagieren und über lange Zeit gleichmäßige Einnahmen zu erzielen , machen Mut in dieser Form weiterzuarbeiten.

Im Gemeindewald Schlangenbad wurden von Klaus Stolpp und Bernd Leichthammer zuerst Beispiele der langjährigen naturgemäßen Bewirtschaftung der Fichte vorgestellt und diskutiert. Schon 1948 gab es in der Forsteinrichtung von Landforstmeister a.D. Ernst Rechtern, der diese Arbeit im Alter von 73 Jahren durchführte, erste Hinweise zur Vermeidung von Kahlschlägen. Das wurde aber nur im ehemaligen Revier Wambach von Rudolf Canzler beispielhaft umgesetzt. Anfang der 70er Jahre hat dann Bernd Leichthammer im Einvernehmen mit der Gemeinde Schlangenbad die „Naturgemäße Waldwirtschaft" mit dem Ziel „Dauerwald" im gesamten von ihm betreuten Revier eingeführt. Diese Wirtschaftsweise wird seit 2005 von Klaus Stopp engagiert fortgeführt und von den Gemeindegremien unterstützt.

Trotz erheblicher Schäden in den Fichtenbeständen durch Sturm und Borkenkäfer, bieten heute fast 200 Hektar alter Fichten mit natürlicher Verjüngung ein vielfältiges, ästhetisch ansprechendes Bild mit hohen laufenden Nutzungen und guten Erlösen. Durch die Beimischung von Buchen werden die jungen Fichten stabilisiert und so das mögliche künftige Risiko durch Schäden infolge des Klimawandels gemildert.

Auch die Buchen als wichtigste Baumart im Schlangenbader Wald sind „auf dem Weg zum Dauerwald". Früher wurden die alten Buchenbestände meist mit etwa 140 Jahren nach spärlicher Naturverjüngung als relativ schwache Bäume rasch geräumt und die Flächen mit Nadelholz aufgeforstet. Seit Anfang der 70er Jahre wurden die Räumungen eingestellt und die Buchen einzelstammweise genutzt. Dadurch können sich die besseren Bäume zu deutlich stärkeren Dimensionen entwickeln, die wertvolleres Holz mit wesentlich höheren Erlösen liefern. Gleichzeitig wächst unter dem Schirm der alten Buchen in vielen Jahrzehnten, mit ganz geringen Aufwendungen für die Pflege, die nächste Generation heran.

Ein wesentlicher Bestandteil der alten Bestände sind aber auch "Biotopbäume", die dauerhaft markiert und nicht genutzt werden. Als Spechtbäume und Totholz bieten sie Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen die auf gesunden Bäumen, wie sie zum Verkauf geerntet werden, nicht existieren könnten. An den einzelnen Waldbildern, deren bisherige Entwicklung erläutert und mit konkreten Daten belegt wurde, ergab sich eine rege Diskussion über das künftige Vorgehen. Dabei war man sich einig, dass mit dem Dauerwald eine gute Möglichkeit besteht, unter Beachtung der wirtschaftlichen Interessen des Waldeigentümers, ein stabiles, vielfältiges und in seinem Regulationsvermögen anpassungsfähiges Ökosystem Wald zu erhalten.

Zum Abschluss wurde noch die „Altholzinsel Weikershain" aufgesucht. Hier stehen auf einer kleinen Fläche einige über 200 jährige mächtige Buchen aus der Zeit vor Beginn der planmäßigen forstlichen Bewirtschaftung des Gemeindewaldes im Großherzogtum Nassau. Es wurde deutlich, welche „Werte" im Wirtschaftswald an einigen Stellen nur durch Nutzungsverzicht bewahrt werden. Neben der ökologischen Bedeutung durch natürlichen Zerfall, zeigen sie auch, wie „dick und alt" Buchen bei uns werden können.

Mit der diesjährigen Tagung wurde die gute Tradition der 1950 bundesweit gegründeten ANW fortgesetzt, ihren Mitgliedern regelmäßig die Möglichkeit zu bieten an konkreten Beispielen im Wald zu sehen und zu diskutieren, wie ihre Grundsätze unter den örtlichen Bedingungen umgesetzt werden und welche Waldbilder dabei entstehen.

Bundes-ANW und ANW-Hessen

 

http://www.anw-deutschland.de/media/pdf/Wiesbaden%202010.pdf

Naturgemäße Waldwirtschaft – Was ist das?

- Ein Diskurs für Neugierige und Praktiker –

15. Juni 2010, FA Wolfhagen, Rfei. Calden

   

Ganz unorthodox für ANW-Leute fand der erste Teil der Veranstaltung nicht gleich im Wald statt, sondern als „Theoriebaustein" in geschlossenen vier Wänden.

Es ging darum, die Grundidee Naturgemäßer Waldwirtschaft in ihren Facetten abzubilden und als Gesamtbild darzustellen. Da sich der mainstream der Forstwirtschaft mittlerweile einigermaßen deutlich vom Kahlschlag entfernt hat, scheint es um so bedeutsamer, die Schnittstellen zu allen möglichen Begrifflichkeiten und deren Motiven zu dem, was Naturgemäße Waldwirtschaft und der Dauerwald bedeuten, herauszuarbeiten.

Oft ist es nämlich ungefähr so wie schon der alte Sokrates (oder war es ein anderer?) sagte: „Situs vilate in issis avernit!" (Sit us wie Latein, issis aver nit!)

Andererseits ist die Dauerwaldidee im Sinne seines Ideengebers Möller eigentlich sehr liberal angelegt und nicht mit Korsett, Schema und Schablone zu bändigen. Die Weichen werden vielmehr im Kopf der Akteure gestellt. Das Ziel zu kennen ist entscheidend, den Weg zu gehen ist die Praxis. Und Praxis heißt auch, den Wald immer dort abzuholen, wo er ist, die Situation anzunehmen und den Einstieg mit Hilfe von Handlungsmaximen zu wagen. Die vier tragenden Säulen repräsentieren dabei die Grundsätze der Stetigkeit, der Schirmhaltung, der einzelbaumweisen Wirtschaft und der Mischung, darüber hinaus auch die Grundsätze der Bodenschonung und der ökologisch tragbaren Wilddichte.

Eine entscheidende Denk-Wende besteht z.B. darin, sich von Alter und Zeit wie auch vom Flächen- oder Bestandesdenken zu lösen und ersatzweise durch die Merkmale Durchmesserverteilung und einzelbaumweise Beurteilung abzulösen. .

Mit Grundsätzen zu arbeiten ist ein anspruchsvoller, aber auch sehr freiheitlicher Ansatz. FörsterInnen, die motiviert sind, mit einem solchen Konzept zu arbeiten, werden gefordert mit Kopf, Herz und Hand – aber was kann einem besseres passieren?

Der zweite Teil der Veranstaltung führte in den Wald: eutrophe Standorte, Buche-Edellaubholz in vier verschiedenen Waldbildern. Thema war, den Einstieg in den Dauerwald zu diskutieren.

Natürlich gab es unterschiedliche Bewertungen im Detail - welche Bäume werden entnommen, welche Argumente sprechen für oder gegen eine Einzelentscheidung. In diesen Diskussionen und im Schlagabtausch der Argumente werden oft Erfahrungen, Kenntnisse, Beobachtungen, Denkansätze und Betrachtungsweisen kommuniziert, die den Austausch auf dieser Ebene so wertvoll machen. Denn jeder kann in dem komplexen System Wald nur begrenzt eigene Erfahrungen sammeln, so dass man gewissermaßen auf die „Querschnitt"-Strategie angewiesen ist. Für die Exkursionsbilder mit ihrem Standort und Baumartenpotential sind bspw. die Buchen-Plenterwälder im Hainich ein Leitbild, an dem man sich orientieren kann. Gerade die Mischung mit Lichtbaumarten stellt auch an die Naturgemäße Waldwirtschaft besondere Herausforderungen.

Wichtig war aber die grundsätzliche Ausrichtung: In der Überführungsphase eine Kombination aus der Entnahme vom starken und qualitativ schlechten Ende mit gleichzeitiger Förderung einer begrenzten Zahl von Auslesebäumen, erkennen und erhalten von gut veranlagten „Nachrückern", Förderung der Mischung und insgesamt eine baumzahlschonende Vorgehensweise. Auch die mittelfristige Annäherung an einen Optimalvorrat ist ein Ziel, mit dessen Hilfe das Rad der vertikalen Erneuerung und des Generationenschlusses in Bewegung gebracht wird.

Den qualitativen und den funktionellen Wert eines Baumes in seinem Gefüge zu bewerten als Entscheidungskriterium für die Auszeichnung, ist sicher eine der anspruchsvollsten Aufgaben. Bei der Arbeit des Auszeichnens werden alle Kompetenzen zusammengeführt und deshalb gehört sie zu den Kernaufgaben im Wald – eine Führungsaufgabe im umfassenden Sinn!

Aber wie kann man nun alles richtig machen, fragt man sich bange. „Es ist nicht unsere Aufgabe, alles richtig zu machen, sondern es ist unser Ziel, keine Fehler zu machen." So hat es der Förster Artur Hoffmann ausgedrückt. Wie wahr! Denn „Die Natur praktiziert auch nicht die Grundsätze einer Genbank, sondern jene einer Spielbank." (Prof. Ebert, Rottenburg.)

Mäßige, aber regelmäßige Eingriffe sind ein Garant zur Vermeidung aller Plötzlichkeiten, Vermeidung von Risiken und Option zu Korrekturmöglichkeiten bzw. Lenkungsimpulsen von Etappe zu Etappe. Die Wahrscheinlichkeit, unter diesen Voraussetzungen agieren zu dürfen und nicht reagieren zu müssen auf Katastrophen und Ungleichgewichte ist eine beruhigende Aussicht für eine dauerhafte Waldbewirtschaftung!

Dagmar Löffler

 

 

 

Mitgliederversammlung vom 10. Juni 2010

Die Mitgliederversammlung hat einen neuen Vorstand gewählt:

Dagmar Löffler, 1. Vors.

Christian von Bethmann, 2. Vors.

Stephan Boschen, 3. Vors.

Anselm Möbs, Schatzmeister

Joachim Gröll, Schriftführer

Bernd Leichthammer, erw. Vorstand

Dirk Ruis-Eckhardt, erw. Vorstand

Peter Kother, erw. Vorstand

Claus Gillmann, erw. Vorstand

Knut Außem, erw. Vorstand

Ausgeschieden sind:

Harald Voll

Josef Tiefenbach

Martin Weltecke

Botho Demant

Unser besonderer Dank gilt den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern für ihr Engagement und langjährige Mitarbeit im Vorstand!

Dabei sind in besonderer Weise hervorzuheben

Martin Weltecke, der seit 1969 aktives Mitglied und Weggenosse der ANW ist, echtes „Urgestein" also und maßgeblicher Mitgestalter der ANW sowie

Josef Tiefenbach, der in vorbildlicher Weise über 24 Jahre die Geschäfte der ANW geführt und allen formalen Vorgängen eine nicht zu überbietende Geschmeidigkeit verliehen hat.

Der neue Vorstand ist motiviert, die Geschicke der Hessen-ANW durch Arbeit, Denken und Lenken auf gutem Wege weiter zu gestalten. Da wir eine Landesgruppe sind, die sehr basis- und praxisnah orientiert ist, sind aber an dieser Stelle auch alle Mitglieder aufgefordert, sich mit Vorschlägen, Wünschen, Kritik, und Ideen „einzumischen"!

Desweiteren wurde von der Mitgliederversammlung die Erhöhung des jährlichen Mitgliedsbeitrags von jetzt 20,45 € auf künftig 30€ beschlossen. Die Darstellung der Situation und Entwicklung der Kassenbestände vergangener Jahre war nachvollziehbar, um diese Entscheidung zu treffen, zumal wir mit 30,-€ immer noch am unteren Niveau im Vergleich mit anderen Landesverbänden angesiedelt sind.

Es sei am Ende noch auf die ANW-Bundestagung hingewiesen, die in diesem Jahr am 27./28. September bei uns in Hessen im Taunus stattfinden wird unter dem Thema

„Dauerwald ist mehr als dauernd Wald".

Dort werden Wege zum Dauerwald gezeigt mit Schwerpunkt auf den Waldgesellschaften mit Fichte, mit Buche und mit Eiche.

Anmeldungen sind noch möglich! (30.Juni)

 

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung fand eine Exkursion im Forstamt Schotten, Rfei. Mücke zum Thema „Erfahrungen aus der Wiederaufforstung von Kalamitätsflächen (1984/1990)" statt.

Mit den regelmäßigen Kalamitäten begleiten uns auch die Aufgaben der Wiederbewaldung, der Jungwuchspflege und der Jungbestandspflege auf diesen Flächen. Das ökonomische Prinzip in Verbindung mit dem Anspruch auf Nutzung natürlicher Prozesse bewegt die naturgemäß Wirtschaftenden ja in besonderer Weise. Aber was sich in Worten so geschmeidig anhört, stellt in der Praxis hohe Anforderungen in Hinblick auf intensive Begleitung / Beobachtung wie auch die richtigen Entscheidungen auf diesen Flächen. Bei den vorgestellten Waldbildern fanden interessante Diskussionen statt. Aus der Fülle der einzelnen Beobachtungen und daraus resultierender Entscheidungen zur weiteren Behandlung wie auch Ideen und Tipps zum technischen Vorgehen konnte jeder etwas mit nach Hause nehmen. Das Prinzip der einzelbaumweisen Betrachtung, der wertschöpfungsorientierten Auslese, der Nutzung natürlicher Prozessenergie und der Stetigkeit in Kombination mit ökonomisch sinnvoller Strategie und Arbeitstechnik war die wesentliche Grundlage aller Betrachtungen. Gerade bei diesen anspruchsvollen Waldbildern konnte man wieder erkennen, dass zur Beurteilung der jeweiligen Situation die Kompetenz auf der Fläche, die Erfahrung auf dem Standort und auch eine Prise Kreativität mit freiem Kopf die Grundlage bilden, um den reifen Gedanken dann in die Tat umzusetzen. Letzterer Schritt ist auch nicht immer frei von Hindernissen. Fehlende Mittel, fehlende Arbeitskapazität oder andere überbetriebliche Prioritätensetzung verhindern oft die Pflege in Beständen, die von der zeitlichen Toleranz eigentlich keinen großen Aufschub dulden. Umso wichtiger ist es, mit schlüssigen Konzepten im eigenen Revier zu überzeugen. Denn das Ökosystem Wald in bestmöglicher Weise zu bewahren und dabei zu bewirtschaften ist unsere eigentliche Kernaufgabe.

Dagmar Löffler

 

 

 

 

ANW Hessen

Vorstand im Gespräch mit der Landesbetriebsleitung Hessen Forst;

Thema Buchenhauptnutzung und Dauerwald.

Forstamt und Revierleitung sollen bei der Forsteinrichtung Rückgrad beweisen.

Diese bemerkenswerte Aussage machte Herr Gerst bei einem Gespräch des ANW Vorstandes mit der Landesbetriebsleitung zum Thema Bu Hauptnutzung am 17.03.09 im FA Rotenburg.


Teilnehmer an diesem, im Zusammenhang mit dem Schriftwechsel zur Waldbaufibel seit längerem geplanten Gespräch, waren Herr Gerst, Herr Nowack, Herr Burschel, (Waldbau Trainer) LBL; Herr Pistor, Herr Schröder FENA; Herr Dr.Führer,FAL, Herr Grau, ProdL, Herr Kother RL, FA Rotenburg, sowie die ANW Vorstandsmitglieder Voll, Löffler, v.Bethmann, Tiefenbach, Gröll, Boschen, Ruis-Eckard und Leichthammer.
ANW-Mitglied Peter Kother hatte drei Waldbilder ausgesucht und Unterlagen über Planung und Vollzug, sowie eigene Messungen zu Baumzahlen und zur BHD-Verteilung, vorbereitet.
Der Vorstand hatte sich bei der Vorbereitung auf das anliegende Positionspapier verständigt, in dem grundsätzliche Überlegungen zum Thema unter Bezug auf die Waldbaufibel, angesprochen werden.
Im Wald wurde in einer betont offenen Gesprächsatmosphäre angeregt diskutiert, wobei viele gemeinsame, aber auch die unterschiedlichen Positionen bei den Nutzungsansätzen und dem Ziel „Dauerwald entwickeln" deutlich wurden.

Besonders im ersten Waldbild (Abt.117A ), einem 176j Bu Altholz in lichter Schirmstellung über mäßiger NV begründete Herr Nowack ein schnelleres Vorgehen mit der Gefahr der Entwertung durch Rotkern, auch wenn die erreichbaren Durchmesser noch nicht den Zielvorstellungen entsprechen und die positive Wirkung des Schirmes für die Verjüngung verloren geht. Von Seiten der ANW wurde für eine stetige längerfristige Nutzung plädiert, obwohl durch zu starke Eingriffe und Entnahme des Unter- und Zwischenstandes in der Vergangenheit eher „Schirmschlagbedingungen" bestehen. Mut für dieses Vorgehen macht aber die relativ gute Bekronung und der nach Aussage des Revierleiters bisher geringe Rotkern.

Angesprochen wurde an diesem Waldbild von Herrn Gerst auch die wirtschaftliche Notwendigkeit generell Zuwächse zu nutzen und Vorräte insgesamt nicht weiter ansteigen zu lassen. Dagegen steht die Position der ANW Zuwächse in der Pflege soweit wie möglich zu realisieren, nicht aber „alte Buchen" für Zuwächse in „jungen Fichten" heranzuziehen.

Im zweit

en Waldbild (Abt.106), einem 166j Bu Altholz auf 15,2ha mit großer                     Durchmesserspreitung (14-66cm) über differenzierter BuNV, das aus einem Ki/Bu Bestand hervorgegangen ist, war die 1999 geplante Nutzung von 2091Efm=138Efm/ha nur zu 56%=78Efm/ha realisiert. Um die fehlenden 900Efm zu nutzen, hätte in schwächere Durchmesser eingegriffen werden müssen, was angesichts der guten Qualität erhebliche Hiebsopfer bedeutet hätte. Peter Kother hatte deshalb schon 2008 um Reduzierung der Nutzungsansätze gebeten, was zu einer Überprüfung durch die FENA führte, bei der allerdings der Ansatz nur um 120Efm reduziert wurde. Darüber hinaus scheinen aber z.Zt. auch die nicht eingeschlagenen ca.800Efm gerettet.

Bei der Diskussion im Bestand waren sich alle einig, dass hier sehr gute Voraussetzungen für eine sehr langfristige Nutzung von wertvollen, zielstarken Bäumen (BHD 60-70cm) mit einer Entwicklung zum Dauerwald bestehen. Die Bemühungen des Revierleiters sich durch Messungen ein Bild von der Durchmesserverteilung zu machen und auf die Hiebsopfer bei Vollzug der Planung hinzuweisen, wurden von Herrn Gerst ausdrücklich anerkannt.

Um die Nutzungsmengen insbesondere in der Hauptnutzung treffend abzustimmen, wünscht sich der Leiter des Landesbetriebes eine engere Zusammenarbeit im Rahmen der Forsteinrichtung, „Wir setzen auf Kollegen und Kolleginnen mit Rückgrad auf Forstamts und Revierebene", war seine bemerkenswerte Aussage.

Herr Nowack meinte, dass die Revierleiter bei der Einzelplanung der Forsteinrichtung beteiligt würden, dies auch mit ihrer Unterschrift bestätigen und daher für das Ergebnis mit verantwortlich seien. Von Seiten der ANW wurde darauf hingewiesen, dass nach der abgestimmten Einzelplanung oft pauschale Erhöhungen vorgenommen würden. Die Frage inwieweit die Nutzungsansätze bei der Forsteinrichtung aus übergeordneten Gesichtspunkten „von oben" vorgegeben oder einvernehmlich aus der Einzelplanung hergeleitet werden, blieb strittig.

Die Aussage von Herrn Gerst sollte aber dazu führen, zu hohe Nutzungsansätze nicht einfach hinzunehmen, sondern mit einer sachlichen Begründung offen zu widersprechen. Der ANW-Vorstand bittet die Mitglieder dazu um Hinweise über positive oder auch negative Erfahrungen.

Im dritten Waldbild (Abt.63A) einem156j Bu Altholz war der Hiebssatz von 110Efm/ha erfüllt. Der Ansatz für die nächste Einrichtungsperiode sollte allerdings geringer ausfallen, um mit den gemessenen 118 Bäumen/ha möglichst lange wertvolles starkes Holz zu produzieren. Bei Entnahme von ca. 20 Bäumen/ha mit 80Efm/ha im Jahrzehnt können auch die jetzt noch schwächeren Bäume BHD 30-50cm in starke Dimensionen wachsen. Gleichzeitig erfüllen sie als Schirm über der Verjüngung eine wichtige Funktion bei deren Differenzierung und Strukturierung. Zum Zeitpunkt der Entnahme der letzten „alten" Bäume, werden schon Pflegenutzungen in dem nachwachsenden Jungbestand möglich sein, mit der die natürliche Differenzierung durch wenige gezielte Eingriffe unterstützt wird. Auch Habitatbäume lassen sich langfristig einzeln oder in Gruppen gut integrieren.

Der Meinung der ANW, dass es auch in diesem Bestand keinen Grund gibt die „Vision Dauerwald" zugunsten kurzfristig höherer Nutzungen aufzuschieben, wurde nicht widersprochen. Die Frage, ob und wie das Einbringen von Mischbaumarten erfolgen sollte, konnte dann nicht mehr diskutiert werden, da es zu spät geworden war.

Es wurden aber weitere „Waldgespräche" zwischen ANW und Landesbetriebsleitung zu konkreten Themen verabredet.

Abschließend möchten wir noch darauf hinzuweisen, dass bei den geplanten Fortbildungsveranstaltungen am 12. und 19. Mai die Diskussion in einem größeren Kreis zu den gleichen Waldbildern geführt werden kann.

B.L.24.03.09

 

Das Selbstverständnis naturgemäßer Waldwirtschaft –Gedanken zu Buchen-Hauptnutzung, dem real existierenden Nutzungsdruck und der Hauptnutzung als Kassenschlager.

Wer nachhaltig ernten will, muss auch nach(haltig)wachsen lassen. Denn Holz wächst an Holz und dickeres Holz wächst an dickem Holz.

Deshalb definiert sich das Ziel naturgemäßer Nachhaltigkeit an einem angestrebten, austarierten Gleichgewicht des Waldes, welches die Basis bildet für eine dauernd mögliche und optimale Wertschöpfung in der Betriebsform Dauerwald. Die Vorstellung dieses Gleichgewichtszustandes orientiert sich am Standortpotential, Baumartenzusammensetzung (aktuell oder potentiell), Vorrat, Durchmesserspektrum und Baumzahl.

Der Waldzustand, der Zuwachs und die Walddynamik lassen sich verlässlich nur herleiten durch Aufnahme entsprechender Parameter mittels Stichproben-verfahren. Auf dieser Basis kann zielorientiertes und effizientes Arbeiten im Wald sicher hergeleitet werden. Das Alter verliert im Zuge dieser Vorgehensweise seine Bedeutung und damit eröffnet sich der Eingang zum Ausgang aus dem Altersklassenwald. Der Dauerwald kann nie erreicht werden, wenn durch zu hohe Nutzungen der Ungleichgewichtszustand des Waldes erhalten oder verschlimmert und damit die Strukturmerkmale des Altersklassenwaldes und alle damit verbundenen Nachteile manifestiert werden. Es gilt, die ggf. unvermeidliche nutzungsfreie Phase so kurz wie möglich zu halten, bzw. die Nutzungsphase so lang wie möglich zu strecken.

Diese Vorgehensweise erweist sich häufig als schwierig bei den derzeitigen Vorgaben der Forsteinrichtung und ihrer hohen Verbindlichkeit und steht damit im Widerspruch zu den selbstgesetzten Zielen, die in der Waldbaufibel nachzulesen sind.

Es steht dem naturgemäßen Gedanken fern, Holz vorsätzlich entwerten zu lassen, aber wir wissen auch, dass der Rotkern der Buche ein leichtes Alibi darstellt für eine rasante Abnutzung.

Hessen Forst steht ein für die „Verpflichtung für Generationen" und strebt den Dauerwald als geeignete Betriebsform an, um dieses Versprechen einzulösen.

Kurzfristige monetäre Erwartungen und die Verbindlichkeiten der Holzlieferung, die sich aus der Forsteinrichtung herleiten (z.T. mit pauschalen Hochsetzungen) verzögern bzw. verhindern nicht nur die Entwicklung des Dauerwaldes, sondern verschwenden Nutzungsoptionen durch verfrühte Ernte und zerstören damit Zuwachspotentiale. Es werden Hiebsopfer gebracht durch Vorgaben, die mit dem Gesamtziel der Waldbaufibel im Widerspruch stehen. Waldbau ist kein Selbstzweck – deshalb sollten Maßnahmen, die den Schirmschlagverfahren entsprechen und mit Hiebsopfern verbunden sind (sowohl was Nutzungsoptionen und Wertnachhaltigkeit betrifft als auch die Qualitätsentwicklung des Nachwuchses) überprüft und ggf. revidiert werden.

Waldbau ist kein Selbstzweck, sondern eine am langlebigen und komplexen Ökosystem Wald orientierte intelligente Umsetzung waldbaulicher Grundsätze. Er ist damit einer optimalen Gleichgewichtshaltung verpflichtet zwischen einerseits dem Erhalt der Produktionsfaktoren (Boden und Bäume) sowie andererseits der Nutzung derselben. Eine Antwort darauf ist der Dauerwald als Betriebsform.

Naturgemäße Waldwirtschaft

Grundsätze im Dauerwald – die vier tragenden Säulen:

                                         Stetigkeit und Nachhaltigkeig
                                         Schirmhaltung und Strukturierung
                                         Einzelbaumweise Nutzung und Pflege
                                         Mischung und Anreicherung

Der Einstieg in den Dauerwald kann immer und überall stattfinden. Er ist weder vom Wald, vom Ort oder Zeit abhängig, sondern findet durch Umdenken im Kopf statt.
Die Abkehr vom am Bestandesalter orientierten Handeln und damit vom Altersklassenwald ist das Tor in den Dauerwald. Solange wir uns über das „Ende" des Waldes in Form von End- oder Hauptnutzung im Unterschied zur Pflegenutzung, Umtriebszeiten, Verjüngungsverfahren und rein Z-Baum orientierte Pflegeeingriffe unterhalten, können flächige Trennung und Endlichkeit des Altersklassenwaldes nicht aufgelöst werden.
Grundsätze sind keine statischen Regeln, sondern sie stoßen einen induktiven Prozess an, wobei das Handeln auf der Basis dieser Grundsätze an jedem Ort abhängig von den dort herrschenden Gegebenheiten auf Grundlage von guten waldbaulichen Kenntnissen sowie Ortskenntnis und Erfahrung intelligent umgesetzt werden muss.
Der Wald als Ökosystem hat Ewigkeitscharakter - Er ist nicht endlich, sondern unendlich. Diese Erkenntnis lässt die logische Folgerung zu, dass das Zählen von Jahren als Impulsgeber für die Bewirtschaftung eines naturnahen Waldes nicht sinnvoll sein kann. Vielmehr zeigt der Wald selbst bei einer ganzheitlichen Betrachtung verschiedene ihm innewohnende Gesetze, aus denen sich Grundsätze für die Bewirtschaftung ableiten lassen. Diese Grundsätze bilden auf dem Fundament solider Kenntnisse des Ökosystems Wald die tragenden Säulen, auf die sich dann im konkreten Fall die waldbauliche Einzelentscheidung stützt. Deren Ziel ist es, den Wald Baum für Baum optimal und nachhaltig zum Wohle des Menschen zu bewirtschaften.

D. L.

 

 

 

Positionspapier des Vorstandes der ANW-Hessen

anlässlich des Waldbegangs mit Herrn Gerst und Herrn Nowack
im Forstamt Rotenburg am 17.03.09. zum Thema
Buchen Hauptnutzung

 

Sowohl das in der Waldbaufibel genannten allgemeine Produktionsziel

Wertholzreiche Bestände mit einem hohen Anteil der Stärkeklasse 5+ an der Gesamtproduktion,

als auch die Ziele im Reife- und Regenerationsstadium:

Hiebsreife, zielstarke Bäume i.d.R. ab 60cm (65cm) BHD (Stärkeklasse 5+)

Dauerwald entwickeln

Natürliche Verjüngung sicherstellen

Differenzierung im Jungwuchs durch Steuerung der Überschirmung erhalten bzw. fördern

Erhalt von Habitatbäumen, Kennzeichnung von Höhlenbäumen und Totholz beachten

sind mit den ANW Grundsätzen vereinbar.

Die weiterhin unter Zielen genannten Maßnahmen:

Rotkernentwicklung beobachten, ggf. Zielstärke reduzieren

Mischbaumarten rechtzeitig einbringen bzw. deren Verjüngung sichern; Mischbaumarten sind aufgrund der Konkurrenzstärke der Buche früher zu verjüngen; der deutlich höhere Lichtanspruch der Mischbaumarten(gerade bei der Fichte) ist zu beachten

sind zu wenig differenziert und  relativieren unseres Erachtens die grundsätzlichen Ziele.

Von den genannten Maßnahmen stimmen folgende mit der ANW Vorgehensweise überein:

Einzelstammorientierte Zielstärkennutzung (keine Hiebsopfer)

Femelansätze nutzen und gezielt entwickeln

Schlagpflege sofern erforderlich

Grundsätzlich Großschirmschlagverfahren vermeiden; die Verjüngung soll sich im Zuge der räumlich unregelmäßigen Zielstärkennutzung weitgehend differenzieren.

Unklar für uns ist die Aussage des Klammersatzes:

… (aufgrund der vorhandenen Bestandesstrukturen sind in vielen Fällen solche Strukturen bei längeren Verjüngungszeiträumen derzeit aber unvermeidbar).    ??

Bei weitgehender Übereinstimmung bei den Zielen und Maßnahmen sehen wir aber Probleme in der Forsteinrichtung und der praktischen Umsetzung:

Forsteinrichtung:

Umtriebszeiten werden verkürzt, mit dem Hinweis, dass starke Dimensionen heute früher erreichbar seien.

Damit ergibt sich ein hoher Nutzungsdruck für die jetzigen „alten“ Bestände ohne Bezug zu ihrem realen Befund.

Bei den Nachhaltsweisern werden durch kürzere Umtriebszeiten „Übervorräte“ ausgewiesen.

Nicht angemessene Nutzungssätze von 4 bis 6 Zehntel mit  100-150 Efm/ha als Regelfall.

Keine Berücksichtigung der BHD Verteilung und der Stammzahlen bei der Planung.

Keine angemessene Berücksichtigung der Ziele und Vorstellungen der Revierleiter.

Nach örtlich abgestimmter Einzelplanung oft pauschale Erhöhung am „ grünen Tisch“.

Praktische Umsetzung:

Revierleiter zeichnen nach Vorgaben aus und nicht aus Überzeugung.

Eine eizelstammorientierte Zielstärkennutzung findet nicht statt.

Beim Fehlen von zielstarken Bäumen Ausweichen in schwächere Dimensionen mit hohen Stammzahlentnahmen und Zuwachsverlusten (Hiebsopfer).

Statt der als Ziel genannten Vermeidung von Großschirmschlagverfahren werden diese zur Regel.

Befürchtete Rotkernentwicklung als Vorwand für unangemessene Nutzungen.

Lichtsteuerung und damit Differenzierung und Strukturierung der Verjüngung  nicht mehr möglich.

Der hohe funktionelle Wert des Unter- und Zwischenstandes wird nicht beachtet.

Als Folge geschlossene Dickungen mit hohem Pflegeaufwand.

Habitat- und Höhlenbäume werden nicht in ausreichendem Maße belassen und gekennzeichnet.

Die „auf dem Weg zum Dauerwald“ mögliche Optimierung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Ziele wird so nicht erreicht.

 

 

BL10.03.09