Schirmhaltung und Strukturierung
Der Dauerwald ist das Wirtschaftskonzept, bei dem alle Funktionen im Rahmen der Bewirtschaftung nachhaltig und stetig gewährleistet sind. Der Dauerwald schließt jede Form des Kahlschlags oder der flächigen Räumung aus. Immer und überall befinden sich Einzelbäume, Trupps oder Gruppen von Bäumen der Ober-, der Mittel- und Unterschicht sowie Naturverjüngung.
Dauerhafte Schirmhaltung sichert den Erhalt der natürlichen Dynamik des Waldgefüges. Parallel verlaufende Regenerations- wie Selektionsprozesse führen zu gemischten und strukturierten Wäldern und gewährleisten ein ökosystemares Gleichgewicht.
Mit dem dauerhaften Schirm werden alle Nachteile der Kahlfläche und der damit verbundenen Waldinnenränder vermieden. Der Erhalt eines besonderen Waldinnenklimas mindert klimatische Extremsituationen, die das Wachstum negativ beeinflussen und Ansatzpunkte großer Kalamitäten sein können. Das Risiko, bei großflächiger Kalamität kostenintensiv die Regeneration des Waldes sichern zu müssen, wird durch die angestrebte Stabilität des Waldgefüges reduziert.
Der horizontale Kronenschluss in der Oberschicht wird durch stetige Nutzung durchbrochen. Damit entsteht ein vertikal strukturierter Waldaufbau, bei dem der ober- und unterirdische Wuchsraum dreidimensional ausgefüllt wird. Der Schirm reduziert die Gefahr von Frostschäden, Trockenschäden, Sonnenbrand, Aushagerung, Windwurf und verhindert die Vergrasung oder Dominanz der Krautschicht.
Durch einen dauerhaften Schirm kann sich ständig Verjüngung einstellen, die zugleich geschützt, aber auch unterdrückt wird. Die hierdurch hervorgerufenen Selektionsprozesse führen zu einer hohen genetischen Variabilität und optimalen Standortanpassung. Im Kalamitätsfalle bietet dieser Nachwuchs eine Reserve, die das Potential zu schnellem Aufwuchs und
Schluss des Waldgefüges hat.
Das dauerhafte, aber durchbrochene Kronendach erzeugt ungleichmäßige, diffuse Lichtverhältnisse im darunterliegenden Wuchsraum, die beim Nachwuchs zu Differenzierung, Wipfelschäftigkeit und Feinastigkeit führen.
Durch die konsequente Nutzung und Pflege von Einzelbäumen wird langfristig das standörtlich vorhandene Wuchspotential weitgehend auf die wertvollsten Bäume gelenkt. Damit wird die Ertragskraft des Waldes erhöht , ohne daß selektive Eingriffe zur Abschöpfung des Zuwachses die Stabilität des Gefüges gefährden.
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